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„Leichentuch der freien Gesellschaft“ – Die Autorin Zana Ramadani provoziert mit Thesen gegen den Islam

Für ein Verbot der Vollverschleierung, Feminismus-Kurse für muslimische Frauen und weniger Toleranz gegenüber dem Islam: Zana Ramadani, CDU-Mitglied und Mitbegründerin von Femen Deutschland, ist eine umstrittene Frau.         

Von Insa van den Berg

Zana Ramadani erwartet ein Kind. In dem letzten Drittel der Schwangerschaft watschelt sie heran, wie werdende Mütter es oftmals tun. Von einem Bein aufs andere schaukelnd. Im Blümchenkleid, die rötlich-schimmernden Haare trägt sie offen. Ein strahlendes Lächeln. Ein sanfter Händedruck. Ruhig sagt sie: „Meine Meinungsfreiheit fängt dort an, wo ich die Gefühle eines anderen verletze.“ Sie holt aus.

„Eine muslimische Frau, die ein Kopftuch trägt, erhebt sich über andere. Sie sagt damit: Ich bin etwas Besseres als Du.“ Eine Kopftuchträgerin trage außerdem die politische Überzeugung zur Schau, dass Frauen und Männer nicht gleichberechtigt sein könnten. „Das Kopftuch ist das Leichentuch der freien Gesellschaft“, meint Zana Ramadani.

Der Islam sei vom Islamismus, einem radikalen Missbrauch der Religion, kaum noch zu unterscheiden. Sie selbst erhalte Morddrohungen von fanatischen Gläubigen. Muslime müssten zugeben, dass im Namen Allahs regelmäßig gemordet werde, findet die 33-Jährige.

Das Christentum mit Hexenverbrennung und Kreuzzügen habe eine ähnlich dunkle Geschichte. „Diese Religion hat den Prozess der Aufklärung aber längst hinter sich.“
Die Berlinerin fährt weiter auf: Die Verantwortung für die Radikalisierung junger Muslime trügen – neben Institutionen wie Moscheen und islamischen Verbänden – vor allem die Mütter. „Die Mädchen werden von ihnen zu willenlosen Lemmingen erzogen, die Jungen zu Prinzen.“

Der „Söhnchen-Kult“ habe zur Folge, dass muslimische Männer auch von der Gesellschaft erwarten, bevorzugt zu werden. „Unser System ist aber auf Leistung ausgelegt. Das sind solche Prinzen nicht gewohnt. Deshalb scheitern sie.“ Solche Thesen hat Zana Ramadani in Buchform gebracht. Im März hat sie es unter dem Titel „Die verschleierte Gefahr – Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen“ vorgestellt.

Als Siebenjährige ist die gebürtige Mazedonierin mit ihren Eltern vor dem Balkankrieg nach Deutschland geflohen. Sie wuchs im Siegerland auf. Ihre Mutter habe ihr vermittelt, dass ein Mädchen weniger wert sei als ein Junge und sich anders zu verhalten habe: „gehorsam, gläubig, züchtig“.

Im Alter von 18 Jahren flieht sie vor dieser Weltanschauung in ein Frauenhaus. Sie beginnt, ihren eigenen Weg zu finden. 2009 wird die gelernte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte deutsche Staatsbürgerin, tritt ein Jahr später der CDU bei. „Weil ich das C schätze, die christlichen Werte wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit.“

Jens Kamieth, Parteikollege und Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtags, erinnert sich. „Ich habe sie damals als sehr nett, offen und zugewandt erlebt, auch selbstbewusst.“ Nachdem sie das Siegerland verlassen hat, habe Zana Ramadani sich verändert. „Sie hatte womöglich das Gefühl, radikal ausbrechen zu müssen. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas in ihr steckt.“

„So etwas“ – damit meint Jens Kamieth das Engagement für die Frauenbewegung Femen. Das CDU-Mitglied Zana Ramadani hat Femen Deutschland 2013 mitgegründet. Unter anderem stürmte sie mit nackten Brüsten die Bühne des
Finales der Serie „Germany’s next Topmodel“, um das dort vermittelte Frauenbild anzuprangern. Parteikollegen entsetzte das. 2015 stieg Zana Ramadani bei Femen wieder aus.

Wenngleich ihr Buch auf der „Spiegel“-Bestsellerliste steht und sie Zuspruch bekommt, werfen Teile der gesellschaftlichen Linken ihr Rassismus vor und eine Nähe zur AfD. Zana Ramadani sagt dazu, dass sich ihre Position deutlich unterscheide: „Das Programm der AfD ähnelt in Familienfragen eher dem konservativer Muslime.“

Zana Ramadani fordert verpflichtende „Feminismuskurse“ für muslimische Frauen. Dort sollten sie über Rechte, Pflichten und Schutzmöglichkeiten von Frauen informiert werden. Darüber hinaus solle Emanzipationsgeschichte gelehrt werden. Für ihr Baby wünscht sich Zana Ramadani eine Gesellschaft, in der im öffentlichen Raum alle frei von Religion leben könnten. „Mit einer Richterin, Polizistin oder Lehrerin, die ein Kopftuch trägt, will ich mich nicht ständig auseinandersetzen müssen.“

 

Nachrichtenagentur epd – Zentralausgabe, 7. April 2017



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